Der neue Da Vinci am KSB

Spricht man von Da Vinci im Zusammenhang mit der Chirurgie, fällt immer auch der Begriff Roboter. Nicht ganz richtig. Da Vinci arbeitet nicht selbstständig, respektive vorprogrammiert wie ein Roboter. Er wird von einem erfahrenen Chirurgen bedient. Die richtige Bezeichnung für den Da Vinci wäre: roboter-assistiertes Operationssystem. Ältere Da Vinci-Systeme können interdisziplinär kaum eingesetzt werden. Ganz anders der neu Da Vinci mit der Bezeichnung Xi, wie er im KSB im Einsatz steht.

Die da Vinci-Operateure am KSB (vlnr.): PD Dr. A. Nocito, Chefarzt Chirurgie: Dr. K. Lehmann, Leiter Urologie; Dr. L. Hefermehl, Stv. Leitender Arzt Urologie; Prof. Dr. M. Heubner, Chefarzt Gynäkologie

Der neue Da Vinci ist vielseitig einsetzbar

Der neue Da Vinci ist vielseitig einsetzbar. Das Warten auf das neue Xi-System hat sich gelohnt. Am KSB steht er hauptsächlich den Chirurgen aus den Fachbereichen Gynäkologie, Urologie, Bauch- und Kinderchirurgie zur Verfügung. Die Anschaffung des Da Vinci-Operationssystem wurde am KSB lange Zeit diskutiert, das Für und Wider abgewogen und bewertet. Am Ende fiel der Entscheid auf der Basis einer nüchternen Kosten-Nutzen-Abwägung. Und damit auch für eine zukunftsweisenden medizinischen Versorgung zugunsten der Patientinnen und Patienten.

Wann Da Vinci zum Einsatz kommt, entscheiden die Chirurgen von Fall zu Fall. Oder wie Dr. med. Lukas Hefermehl, Stellvertretender Leitender Arzt Urologie, sagt: „Auch im Zeitalter der Roboter bleiben wir unserer Linie treu: Wir operieren zurückhaltend, wenn immer möglich minimalinvasiv und organerhaltend. Ganz egal ob mit oder ohne Da Vinci.“

Da Vinci ist dreiteilig: Der Operationsroboter (bleiben wir beim gängigen Begriff) steht direkt am Operationstisch beim Patienten, daneben etwas abseits der Computer mit zusätzlichem Monitor. Und in unmittelbarer Nähe schliesslich steht die Konsole, an der der Operateur sitzt und den Da Vinci bedient. Das 3D-Bild liefert dem Chirurgen eine stark vergrösserte und hochaufgelöste Darstellung des zu operierenden Areals. Selbst feinste Strukturen wie Nerven und Gefässe sind gut zu erkennen.

Die Übertragungen der Bewegungen, die der Operateur an der Konsole ausführt, werden in Echtzeit auf die vier Da Vinci-Arme übertragen. Allzu heftige Manipulationen gleicht Da Vinci automatisch aus.

Das Da Vinci-Team der Urologie (vlnr.): Dr. Kurt Lehmann, Leiter Urologie; Dr. Lukas Hefermehl, Stv. Leitender Arzt Urologie

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Da Vinci muss immer bedient werden. Er führt keine eigenständigen Bewegungen aus, er kann auch nicht programmiert werden.

Am Ende jeden Armes sind je nach Eingriff spezielle Instrumente angebracht. Sie lassen sich in jede nur erdenkliche Richtung bewegen, sie können, was keine menschliche Hand kann, rotieren, sich verdrehen und verwinden. Ein Vorteil vor allem in Körperregionen, die nur sehr schwer zugänglich sind und wo Millimeterarbeit gefragt ist; wo es vor allem auch darum geht, keine wichtigen Strukturen wie etwa Nervenbahnen zu verletzen.

Das Da Vinci-Operationssystem erweitert das Spektrum der minimalinvasiven Chirurgie immens: Immer häufiger kann auf eine offene Operation verzichtet werden. Nierenoperationen können mit Da Vinci organerhaltend, Prostataoperationen nervenerhaltend und gynäkologische Tumoroperationen radikal und dennoch schonend minimalinvasiv durchgeführt werden.

„Roboterassistiertes Operieren wird in Zukunft einen festen Stellenwert im medizinischen Alltag einnehmen. Der erklärte Anspruch des KSB ist es, technisch auf der Höhe der Zeit zu sein, sowohl für unsere Patienten als auch für auszubildende Ärzte“, sagt Prof. Dr. med. Martin Heubner, Direktor Departement Frauen und Kinder und Chefarzt Gynäkologie.

Da Vinci-assistiertes Operieren will gelernt sein.

PD Dr. med. Antonio Nocito, Direktor Departement Chirurgie und Chefarzt Chirurgie, hat bereits in seiner ehemaligen Position am Universitätsspital Zürich mit dem Robotersystem operiert. Für ihn ist diese Technik kein Neuland und sein Team kann von seiner Erfahrung unmittelbar profitieren. Gleiches gilt für Prof. Dr. Heubner und sein Team. An der Universitätsfrauenklinik in Essen, an der er tätig war, konnte er ausgedehnte Erfahrungen im Bereich der roboterassistierten Chirurgie sammeln. Mehrere hundert Eingriffe hat er in den vergangenen Jahren durchgeführt.

Die Vorteile für die Patienten „Eine wohnortsnahe Versorgung auch mit einer roboterassistierten Chirurgie entspricht einem nachvollziehbaren Bedürfnis und einem vielgenannten Wunsch unserer Patientinnen und Patienten“, erklärt PD Dr. med. Antonio Nocito. Die Patientenwünsche sind gut begründet: Viele der aktuellen Studien belegen einen deutlich geringeren Blutverlust, der Chirurg hat eine bessere Sicht und kann entspannter arbeiten, dazu kommen eine signifikant kürzere Rekonvaleszenz sowie ein kürzerer Arbeitsausfall. Da Vinci verursacht deutlich höhere Operationskosten. Trotzdem: Am KSB profitieren alle Patienten – unabhängig vom Versicherungsstatus – von der roboterassistierten Technik. Allgemeinversicherte Patienten müssen keinen zusätzlichen Selbstbehalt übernehmen.