Prostatakrebs

Prostatakrebs ist der Krebsbefall der Vorsteherdrüse, auch Prostata genannt. Der medizinische Begriff für Prostatakrebs lautet Prostatakarzinom und gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Während diese Krebsart im Anfangsstadium fast symptomlos ist, bereitet sie im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden wie u.a. Hemmung der Darmentleerung, Knochenschmerzen, Blutungen, Druck auf Nervenwurzeln mit Gefühlsstörungen oder Kraftverlust oder andere klinische Beschwerden.

Wieso gibt es Prostatakrebs?

Diese Frage stellt sich jeder Patient. Nur selten gibt es dafür eine klare Antwort. Auch beim Prostatakrebs gibt es sie nicht!

Wir sprechen gerne von multifaktoriellem Geschehen. Darunter versteht man, dass verschiedenste Dinge die Entstehung eines Prostatakrebses begünstigen oder seine Entstehung verhindern können.

Eine wichtige Voraussetzung ist das männliche Hormon Testosteron. Fehlt dieses vor der Pubertät, so dass die Entwicklung zum Mann ausbleibt, reift keine voll entwickelte Prostata heran und folglich gibt es auch keinen Krebs. Geht die Testosteronbildung nach der Pubertät verloren, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Prostatakrebs entwickeln kann sehr klein aber dennoch möglich. Testosteron spielt für die Prostata und Prostataerkrankungen eine wichtige Rolle. Diese Rolle ist nicht in allen Einzelheiten geklärt.

Faktoren, welche die Entstehung eines Prostatakrebses begünstigen

  • Testosteron
  • Positive Familienanamnese (Vater oder Bruder hat Prostatakrebs)
  • Einseitige Diät

Faktoren, welche die Entstehung eines Prostatakrebses verhindern könnten

  • Fettarme, mediterrane Diät (was dem Herz nützt, ist auch für die Prostata gut)

Klinischer Bedeutung des Prostatakrebses:

An der Beurteilung hinsichtlich klinischer Bedeutung des Prostatakrebses scheiden sich die Geister, weil Prostatakrebs in vielen Fällen ohne Beschwerden und negativen Einfluss auf die Lebenserwartung verläuft.

Nachfolgend einige kontroverse Punkte:

  • Wertigkeit der PSA Messung
  • Massenscreening
  • Ist eine Therapie überhaupt notwendig?
  • Welche Therapie ist angebracht?
  • Lebensqualität?
  • Was gewinnt ein therapierter Mann, was verliert ein therapierter Mann?

Die oben genannten Punkte lösen heftige Kontroversen aus. Um in diese Diskussion einsteigen zu können, müssen einige Begriffe klargestellt werden.

Lokalisiertes Prostatakarzinom:

Erkrankung ist auf die Prostata begrenzt

Metastasiertes Prostatakarzinom:

Ableger in anderen Organen (meistens Knochen) sind dokumentiert.

Lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom:

Hiermit ist gemeint, dass der Tumor nicht mehr auf die Prostata begrenzt ist oder möglicherweise bereits Lymphknoten befallen sind, jedoch noch keine Metastasen vorhanden sind. So schlecht diese Definition ist, so begrenzt sind die Möglichkeiten in der Wirklichkeit präzisere Angaben zu machen, weil die notwendigen Techniken zur genauen Diagnostik nicht existieren.

Nomogramme (Prognose Instrumente):

Das oben aufgeführte Dilemma hat zur Entwicklung von Nomogrammen geführt. Verschiedene klinische Kriterien wie der PSA Wert, Alter des Patienten, die mit der Fingeruntersuchung festgestellte Ausdehnung des Krebses, der mikroskopisch festgestellte Tumoraufbau werden in ein Programm eingegeben. Dieses berechnet dann die Wahrscheinlichkeit für lokalisiertes Wachstum oder Organüberschreiten. Dies sind Hilfsprogramme, deren Existenz zeigt, dass sehr viel bei der Diagnostik des Prostatakrebses in einem Graubereich liegt.

PSA (prostataspezifisches Antigen)

PSA (prostataspezifisches Antigen) ist ein im Blut gemessener Wert. PSA ist kein genauer Wert. Das PSA kann bei verschiedenen Situationen erhöht sein: Bei der sogenannten „gutartigen Prostatavergrösserung“ (wie sie bei vielen Männern im Verlauf des Lebens auftritt), bei einer Entzündung der Prostata oder eben bei Vorliegen eines Prostatakarzinoms.

Der Gleason-Score

Der Gleason-Score beschreibt die Bösartigkeit eines Prostatakarzinoms an Hand morphologischer Kriterien im Mikroskop. Die Werte reichen bis 10. Je höher der Gleason-Score ist, desto aggressiver ist der Tumor.

Positive Schnittränder:

Beim operativ entfernten Präparat wird an den Schnitträndern Tumorgewebe nachgewiesen. Dies bedeutet, dass möglicherweise Krebsgewebe im Patienten zurückgeblieben ist.

PSA Rezidiv:

In den Kontrollen nach Therapie stellt man PSA im Blut fest. Liegt dieser Wert über einem bestimmten Grenzwerten (> 0.4 ng/ml oder 2ng/ml) wird von einem PSA Rezidiv gesprochen (die Krankheit ist wieder aktiv).

PSA Nadir:

Niedrigester PSA Wert nach Therapie (Bestrahlung, Brachytherapie, Alternativtherapien)

Offene (konventionelle) Operation:

Entfernen der Prostata und der Lymphknoten über einen Bauchschnitt.

Laparoskopische Operation:

Die Prostata wird via mehrere durch die Bauchdecken eingeführte Röhren freipräpariert und über einen kleinen Bauchschnitt entfernt

daVinci assistierte Operation (Roboteroperation):

Im Prinzip laparoskopische Operation. Die Instrumente werden aber nicht direkt mit der Hand bedient, sondern über eine Konsole, die das Arbeiten wesentlich vereinfacht

Lebensqualität:

Dies ist ein extrem breiter Begriff, der soziale und öffentliche Sicherheit, Gesundheitswesen, politische Stabilität, Nahrungssicherheit und andere weitreichende Faktoren einschliesst.

Impotenz und Inkontinenz (unkontrollierter Urinverlust) sind so gesehen kleine negative Aspekte. Für Betroffene haben sie sehr grosse Bedeutung.

Erfassen der Operationsqualität:

Hierbei muss zwischen langfristigen und kurzfristigen Ergebnissen unterschieden werden. Onkologisch wichtig sind die langfristigen Ergebnisse. Die „heilende Therapie“ möchte die Patienten in der Grössenordnung von 10 und mehr Jahren tumorfrei haben.

Beschwerden (klinische Zeichen)

Beachten Sie bitte folgende Unterscheidung:

• Frühstadium

• Spätstadium

Beim Frühstadium handelt es sich um Tumoren von kleiner Grösse. Sie beanspruchen ein Volumen von höchstens 2-3 cm3. Mit dieser Grösse haben sie nicht merkbare Auswirkungen auf das Wasserlassen. In den meisten Fällen werden Beschwerden durch die gutartige Veränderung verursacht (siehe Prostatabeschwerden ). Gutartige und bösartige Entwicklungen können gleichzeitig vorhanden sein.

Bei einem Spätstadium ist der Krebs meistens gross und über die Organgrenzen hinaus gewachsen. Da kann es durchaus vorkommen, dass er direkt Beschwerden verursacht. Diese Beschwerden können ähnlich wie bei der gutartigen Veränderung, dem benignen Prostatasyndrom sein. Der fortgeschrittene Krebs kann jedoch zusätzlich die Darmentleerung behindern, Knochenschmerzen verursachen, bluten, Nervenwurzeln drücken mit Gefühlsstörungen oder Kraftverlust oder andere klinische Beschwerden hervorrufen.

Prostatakrebs ist nie eine klinische Diagnose. Prostatakrebs kann zwar klinisch vermutet werden doch zum Beweis braucht es den mikroskopischen Nachweis in einer Gewebeprobe.