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Habitueller Abort

Von einem habituellen oder wiederholten Abort spricht man, wenn bei einer Frau drei oder mehr (aufeinander folgende) Fehlgeburten vor der 20. Schwangerschaftswoche stattgefunden haben.
Dies ist sehr selten und kommt nur bei 0.5-1% aller schwangeren Frauen vor. Nach drei Aborten wird dazu geraten, nach einer Ursache zu suchen. In manchen Fällen ist auch schon früher eine ausgedehnte Diagnostik zu empfehlen.

Abklärung der Ursachen

  • Untersuchung der Gebärmutter

    Eine Anlagestörung der Gebärmutter, die während der eigenen embryonalen Entwicklung der Frau entstanden ist, oder gutartige Wucherungen wie Schleimhautpolypen oder Myome innerhalb der Gebärmutterhöhle können die Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut beeinträchtigen und dadurch die Einnistung eines Embryos verhindern bzw. seine Entwicklung nach erfolgter Einnistung negativ beeinflussen. Mit Hilfe einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) kann dies erkannt und behandelt werden. Bei dieser Untersuchung wird unter Betäubung eine Kamera durch die Scheide in die Gebärmutterhöhle eingeführt. In einigen Fällen ist auch eine zusätzliche Bauchspiegelung (Laparoskopie) notwendig. Beide Eingriffe können im besten Fall ambulant durchgeführt werden.

  • Genetische Abklärung

    Genetische Auffälligkeiten sowohl bei der Frau als auch beim Mann sind bei ca. 3-5% der Paare zu finden, welche von wiederholten Aborten betroffen sind. Am häufigsten sind dies sogenannte „Translokationen“, eine „Verlagerung“ von genetischer Information innerhalb eines Chromosomenpaares. Dies kann sowohl bei der Frau als auch beim Mann vorliegen und bedeutet keine gesundheitlichen Probleme. Allerdings kann es nach Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle zu wiederholten Fehlgeburten führen. 

    Obwohl eine Therapie im Falle eines auffälligen Ergebnisses nicht zur Verfügung steht, ist es beruhigend, wenn eine Ursache für die Aborte gefunden werden konnte. Eine humangenetische Beratung durch einen Spezialisten kann die betroffenen Paare über die Chancen einer normal verlaufenden Schwangerschaft und die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Abortes aufklären. Wird die Frau wieder schwanger, sollte auch eine Pränataldiagnostik, z.B Chorionbiopsie oder Fruchtwasseruntersuchung, in Erwägung gezogen werden.

  • Hormonanalysen
    Bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten sind bestimmte hormonelle Störungen beschrieben, etwa ein Mangel an Progesteron (Gelbkörperhormon ) in der 2. Zyklushälfte. Weiterhin wird ein erhöhter Hormonspiegel des Hormons, welches den Eisprung auslöst (LH=luteinisierendes Hormon), mit Aborten in Zusammenhang gebracht. Solche „Ungleichgewichte“ im Hormonhaushalt sind behandelbar. Eine Hormonbestimmmung am 3. Zyklustag gehört daher zu jeder Abortdiagnostik. Diese umfasst nicht nur die Bestimmung der Werte der Sexualhormone, sondern auch eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktion.
  • Überprüfung der Blutgerinnung
    Veränderungen der Blutgerinnung, genauer gesagt eine erhöhte Bereitschaft des Blutes, Blutgerinnsel zu bilden, können ebenfalls einen Abort auslösen. Dies erklärt man sich durch eine Durchblutungsstörung der Plazenta durch kleinste Blutgerinnsel. Eine spezielle Blutuntersuchung kann die Funktion verschiedener Blutgerinnungsfaktoren überprüfen, welche für die Entstehung dieser Blutgerinnsel verantwortliche sind. Hat man eine derartige Störung entdeckt, wird den betroffenen Frauen geraten, während der Schwangerschaft Blutverdünner zu spritzen, um eine erneuten Abort zu verhindern.
  • Suche nach speziellen Antikörpern
    Man hat beobachtet, dass bei ca. 20% aller Frauen, die an dem sogenannten „Antiphospholipid-Syndrom“ leiden, es zu wiederholten Aborten kommen kann. Bei diesen Frauen lassen sich bestimmte Antikörper im Blut finden, welche die Blutgerinnung negativ beeinflussen und dadurch die gesunde Entwicklung der Schwangerschaft stören können. Auch in diesem Fall rät man den Frauen zu Blutverdünnern während der Schwangerschaft.
  • Infektionen
    Infektionen des Genitaltraktes werden seltener mit wiederholten Aborten in Verbindung gebracht. In der fortgeschrittenen Schwangerschaft können sie jedoch zu vorzeitigen Wehen führen und somit eine Frühgeburt auslösen. Der Nachweis einer Infektion kann einfach durch einen Scheidenabstrich erbracht werden. Die Behandlung erfolgt durch bestimmte Antibiotika, welche in der Schwangerschaft bedenkenlos gegeben werden können.
Bei nur etwa 50% der Paare wird ein Grund für die wiederholten Fehlgeburten gefunden. Auch ist nicht jede Ursache behandelbar. Diese Tatsachen mögen enttäuschend sein, jedoch bringen viele Frauen (75%) trotzdem später ein gesundes Kind zur Welt.

Auswirkungen auf die Psyche

Erlebt eine Frau einen oder mehrere Aborte, kann dies verständlicherweise zu psychischen Problemen führen. Sowohl der Verlust einer Schwangerschaft als auch die Angst vor einem erneuten Abort können belastend wirken. Es gibt auch Frauen, die Schuldgefühle entwickeln, da sie Ihren Körper nicht in der Lage sehen, eine Schwangerschaft auszutragen. In diesen Fällen ist eine psychologische Betreuung der betroffenen Paare wichtig, um das Erlebte zu verarbeiten und entstandene Ängste zu überwinden. Wir arbeiten mit Fachpersonen zusammen, die mit dem Problem des unerfüllten Kinderwunsches vertraut sind.