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Erste Schulter-Operation mit Augmented Reality am KSB

4. März 2026

Am Kantonsspital Baden (KSB) wurde erstmals eine Schulterprothese mithilfe von Augmented Reality implantiert. Die neue Technologie ermöglicht eine bislang unerreichte Präzision bei der Platzierung von Implantaten. Für die Orthopädie im KSB bedeutet sie einen Meilenstein in der Schulterchirurgie und einen weiteren Schritt hin zu digital unterstützter Spitzenmedizin.

Schulter-OP
Prof. Karim Eid (li.) nutzt Augmented Reality bei einer Schulter-OP.

In der Regel entscheidet bei Schulteroperationen nicht nur die korrekte Implantation über den Erfolg, sondern auch, wie sich das Gelenk später bewegen lässt. Am Kantonsspital Baden wurde nun erstmals ein Gelenkimplantat mithilfe von Augmented Reality (AR) erfolgreich in eine Schulter eingesetzt. Dabei profitierte der operierte Patient von der neuesten Technologie, die es ermöglicht, Bewegungsabläufe der Schulter bereits vor dem Eingriff dreidimensional zu simulieren und zu analysieren. 

«Wir wissen schon vor der OP, ob es später zu mechanischen Konflikten kommen könnte oder ob die Schulter frei beweglich ist», sagt Prof. Dr. med. Karim Eid, Chefarzt Orthopädie und Traumatologie am KSB, der die Premieren-OP vorgenommen hat. «Das gibt uns eine neue Sicherheit in der Planung.» Im Kanton Aargau war es die erste AR-gestützte Schulter-Operation.

Digitale Planung in drei Dimensionen

Grundlage dieser Art von Schulterchirurgie sind detaillierte CT-Daten, aus denen ein virtuelles 3D-Modell der Schulter entsteht. In dieser digitalen Umgebung lassen sich Implantatgrösse, Position und Ausrichtung präzise festlegen. «Ich plane die Operation vorgängig so, wie ich die Prothese später exakt einsetzen möchte», erklärt Eid. «Man operiert die Schulter im Grunde schon vor der eigentlichen Operation.»

Nun kam diese Technik erstmals bei einer inversen Schulterprothese, bei der Kugel und Pfanne vertauscht werden, zum Einsatz. Diese Konstruktion stellt hohe Anforderungen an die Platzierung des Implantats. «Die inverse Prothese ist mechanisch anspruchsvoll», sagt Eid. «Sie muss so positioniert sein, dass die Kräfte optimal verteilt werden und es zu keiner Blockade oder Fehlbelastung kommt.» Die Möglichkeit, Bewegungen bereits präoperativ zu simulieren, ist dabei ein entscheidender Vorteil.

Navigation im Operationssaal

Im Operationssaal wird die digitale Planung in Echtzeit umgesetzt. Eine Kamera erfasst die exakte Lage der Schulter und gleicht sie kontinuierlich mit dem virtuellen Modell ab. Auf einem grossen Monitor oder per Brille sieht der Operateur dann die geplanten Bohr- und Implantationsachsen aus verschiedenen Perspektiven und Ebenen. «Wenn man von Hand bohrt, können Winkelabweichungen entstehen», erklärt Karim Eid. «Mit Augmented Reality lassen sich diese Abweichungen um das Fünffache reduzieren. Diese Präzision ist beeindruckend.»

Allerdings: Das NextAR-System von Medacta, einem international tätigen Schweizer Medizintechnikunternehmen aus dem Tessin, ersetzt die chirurgische Erfahrung nicht, sondern ergänzt sie gezielt. Besonders bei komplexen Situationen zeigt sich sein Nutzen. Dazu zählen Revisionseingriffe oder Fälle mit starkem Knochenabbau, bei denen anatomische Orientierungspunkte fehlen. «In solchen Fällen muss man sonst immer wieder kontrollieren und korrigieren», erklärt Eid. «Mit der digitalen Navigation weiss ich jederzeit genau, wo ich mich befinde. Das erhöht die Sicherheit erheblich.»

Mehr Stabilität und langfristiger Nutzen für Patienten

Für Patientinnen und Patienten bedeutet die präzisere Implantation vor allem eine höhere Stabilität und eine bessere Funktion der Schulter. Eine optimal platzierte Prothese reduziert das Risiko einer späteren Lockerung und kann die Haltbarkeit verlängern. «Je genauer wir die Prothese mechanisch ausrichten, desto länger hält sie in der Regel», sagt Karim Eid. Auch die Beweglichkeit profitiert davon, da potenzielle Einschränkungen bereits vor der Operation erkannt werden.

Langfristig sieht Karim Eid grosses Potenzial für die AR-Technologie. «Das ist ein Blick in die Zukunft der Schulterchirurgie», sagt er. «Solche Systeme könnten künftig auch minimalinvasivere Zugänge ermöglichen.» Die erste AR-gestützte Schulteroperation fügt sich in die breite Erfahrung des Kantonsspital Baden ein: Allein im Jahr 2025 wurden am KSB 350 Schulteroperationen, davon 110 Schulter-Totalprothesen, vorgenommen.

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