Das Kantonsspital Baden (KSB) ist das erste und derzeit einzige Spital im Kanton Aargau mit einer Zertifizierung der internationalen ERAS-Society in der kolorektalen Chirurgie. Die Auszeichnung bestätigt die hohe Qualität eines Behandlungskonzepts, das Komplikationen reduziert und die Genesung nach Operationen beschleunigt.

Weniger Komplikationen, eine schnellere Erholung und eine eng abgestimmte Behandlung über Fachgrenzen hinweg: Dafür steht das sogenannte ERAS-Programm (Enhanced Recovery After Surgery). Das evidenzbasierte Behandlungskonzept verfolgt das Ziel, die körperliche Belastung durch chirurgische Eingriffe zu reduzieren und die Erholung nach einer Operation gezielt zu fördern.
Internationale Studien zeigen, dass entsprechende Programme in der kolorektalen Chirurgie die postoperative Komplikationsrate um bis zu 48 Prozent senken und die Aufenthaltsdauer im Spital im Durchschnitt um rund zweieinhalb Tage verkürzen können. Gleichzeitig bleibt die Patientensicherheit auf höchstem Niveau gewährleistet.
Schnellere Erholung dank standardisierten Abläufen
Das Konzept basiert auf einer Vielzahl wissenschaftlich abgestützter Massnahmen vor, während und nach einer Operation. Dazu gehören unter anderem eine optimale Vorbereitung auf den Eingriff, eine individuell angepasste Schmerztherapie, eine frühe Mobilisation sowie ein rascher Wiederaufbau der normalen Ernährung.
Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dies weniger postoperative Beschwerden, eine schnellere Rückkehr in den Alltag und ein geringeres Risiko für Komplikationen. Gleichzeitig zeigen internationale Erfahrungen, dass die verkürzten Spitalaufenthalte nicht zu höheren Wiedereintrittsraten führen, sondern die nachhaltige Genesung fördern.
«Mit ERAS stellen wir die Patientinnen und Patienten konsequent ins Zentrum. Durch standardisierte, wissenschaftlich fundierte Abläufe können wir die Belastung einer Operation reduzieren und die Genesung aktiv fördern. Die Zertifizierung bestätigt die hohe Qualität unserer Behandlung und ist ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung der kolorektalen Chirurgie am KSB», sagt Dr. med. Alex Ochsner, Leitender Arzt Chirurgie.
Erfolg durch gelebte Interprofessionalität
Die Einführung des Programms war ein gemeinschaftliches Projekt über Berufs- und Fachgrenzen hinweg. Chirurgie, Anästhesie, Pflege, Physiotherapie, Ernährungsberatung sowie weitere beteiligte Fachbereiche arbeiteten eng zusammen, um die anspruchsvollen internationalen Standards erfolgreich umzusetzen.
«Die Zertifizierung ist weit mehr als eine Auszeichnung. Sie zeigt, was möglich ist, wenn unterschiedliche Berufsgruppen ein gemeinsames Ziel verfolgen. Die Implementierung des Programms hat uns fachlich weitergebracht und als interdisziplinäres sowie interprofessionelles Team nachhaltig gestärkt», sagt PD Dr. med. Andrea Kopp Lugli, Chefärztin und Direktorin des Departements Anästhesie & Intensivmedizin.
Qualitätsentwicklung mit messbarem Nutzen
Ein zentrales Element des Programms ist die kontinuierliche Messung und Verbesserung der Behandlungsqualität. Klinische Kennzahlen werden systematisch erfasst und regelmässig ausgewertet. Ergänzt durch externe Audits entsteht ein nachhaltiger Verbesserungsprozess, der den Patientennutzen konsequent in den Mittelpunkt stellt.
Mit der Zertifizierung in der kolorektalen Chirurgie ist die Entwicklung am KSB nicht abgeschlossen. Bereits im kommenden Jahr strebt das Spital weitere Zertifizierungen in der Bauchspeicheldrüsen- und Adipositaschirurgie an. Das KSB setzt damit seinen Weg konsequent fort, hin zu einer noch stärker patientenzentrierten, evidenzbasierten und interprofessionellen Medizin.
ERAS auf einen Blick
- ERAS steht für «Enhanced Recovery After Surgery»
- Das Konzept wurde von internationalen Experten entwickelt und wird heute weltweit angewendet.
- Ziel ist es, die körperliche Belastung durch Operationen zu reduzieren und die Genesung zu beschleunigen.
- In der kolorektalen Chirurgie konnten Studien eine Reduktion der postoperativen Komplikationen um bis zu 48 Prozent nachweisen.
- Gleichzeitig verkürzt sich die Aufenthaltsdauer im Spital durchschnittlich um rund 2,5 Tage.
- Die Zertifizierung erfolgt durch die ERAS-Society und setzt die Erfüllung strenger Qualitätskriterien voraus.