Im Sommer wird die Fehlstellung in offenen Schuhen sichtbar
Die Temperaturen steigen, die Sandalen stehen bereit: Der Blick auf die eigenen Füsse sorgt bei vielen Frauen – aber auch bei Männern – für gemischte Gefühle. Denn da ist er plötzlich im Rampenlicht: der Hallux valgus. Der grosse Zeh, der sich wie ein rebellischer Teenager nach aussen drängt, während sich am Fuss eine schmerzhafte Beule bildet.
Was viele als «schiefer Zeh» abtun, ist medizinisch komplexer. «Beim Hallux valgus handelt es sich um eine Fehlstellung des Mittelfussknochens der Grosszehe, nicht der Zehe selbst», klärt KSB-Orthopäde Dr. med. Urs Neurauter auf.
Jeder Schritt wird zur Herausforderung
Anfangs bleibt die Fehlstellung oft unbemerkt. Doch spätestens, wenn die Lieblingsschuhe drücken oder der Spaziergang zur Belastung wird, rückt das Thema in den Fokus. «Durch den prominenten Knochen kann es zu einer Druckstelle im Schuh kommen. Das passiert häufig nach längeren Belastungen wie Wandern oder Joggen», sagt Urs Neurauter.
Es fühlt sich an, als wäre der Schuh an einer Stelle ständig zu eng und würde genau dort schmerzhaft drücken – wie ein Schraubstock, der den Vorfuss bei jedem Schritt zusammendrückt. Mit der Zeit wird daraus ein brennender, stechender Schmerz, der besonders bei Belastung oder in engerem Schuhwerk aufflammt. Das Problem: Je länger die Belastung, desto heftiger die Beschwerden. Besonders betroffen sind Frauen. Warum ist das so? Häufig spielen genetische Faktoren eine Rolle, oft kombiniert mit einem Senk- oder Spreizfuss. Und ja, auch enge Schuhe und hohe Absätze können die Beschwerden verstärken.

«Nicht die Fehlstellung allein, sondern die Beschwerden bestimmen, ob ein Hallux valgus operiert wird.»
Leitender Arzt Orthopädie
High Heels verstärken das Problem
Elegante Absatzschuhe zum Beispiel verschieben das Körpergewicht nach vorne und damit genau dorthin, wo der Hallux valgus ohnehin Probleme macht. «Damit steigt die Belastung auf dem Vorfuss und die Schmerzen können zunehmen», erklärt Urs Neurauter. Das ist ein bisschen wie ein Stau auf der Autobahn: Wird es enger, steigt der Druck.
Das hilft wirklich
Die gute Nachricht: Nicht jeder Hallux valgus muss direkt operiert werden. Oft lassen sich Beschwerden lindern. Zumindest vorübergehend. Folgendes kann helfen:
- Bequeme, breite Schuhe statt enger Modelle
- Verzicht auf hohe Absätze
Doch die ehrliche Antwort ist auch: «In seine korrekte Position lässt sich der Mittelfussknochen mit konservativen Massnahmen nicht bringen», spricht der Orthopäde des KSB Klartext. Das heisst: Die Ursache bleibt bestehen. Und damit kehren die Schmerzen irgendwann zurück. Die Gretchenfrage lautet also: Operation – ja oder nein? Viele Patientinnen stellen sich genau diese Frage. Die Entscheidung hängt vor allem von den Schmerzen ab. «Nicht die Fehlstellung allein, sondern die Beschwerden bestimmen, ob ein Hallux valgus operiert wird», sagt Urs Neurauter.
Am KSB wird die Fehlstellung gezielt chirurgisch korrigiert. Dabei geht es nicht nur um kosmetische, sondern vor allem um funktionelle Aspekte. Anders als früher wird der Knochen nicht einfach «abgetragen», sondern in die richtige Position gebracht. Das verbessert die langfristigen Ergebnisse deutlich.
So hilft die moderne Hallux-OP
Schliesslich muss ein Hallux valgus kein Dauerproblem sein. Entscheidend ist, die Beschwerden ernst zu nehmen und sich beraten zu lassen. Ein spezialisiertes Team steht am KSB bereit, das individuell abklärt, welche Behandlung sinnvoll ist. Das Spektrum reicht von konservativen Massnahmen bis zur modernen Fusschirurgie.
Und wie läuft eine Operation ab? Vereinfacht gesagt wird die Fehlstellung dort korrigiert, wo sie entsteht: am Knochen. Der erste Mittelfussknochen wird gezielt durchtrennt, in die richtige Position verschoben und mit kleinen Schrauben stabilisiert, sodass sich die Grosszehe wieder gerade ausrichten kann. Der Eingriff erfolgt je nach Situation in Voll- oder Teilnarkose. Bereits kurz danach kann der Fuss in einem Spezialschuh vorsichtig belastet werden. So geht es Schritt für Schritt zurück in den Alltag – und in einen Sommer, in dem der Fuss auch optisch wieder das ist, was er sein sollte: ein unauffälliger Begleiter in Sandalen.
Text: Simon David • Geprüft von: Dr. med. Urs Neurauter Leitender Arzt Orthopädie


