Dyspareunie – kein seltenes Phänomen
Schmerzen beim Sex, auch Dyspareunie genannt, kommen häufiger vor, als man denkt. «Etwa 10 bis 20 Prozent der jüngeren Frauen sind betroffen», sagt Prof. Dr. Martin Heubner, Chefarzt Gynäkologie am KSB. Studien gehen von einer Lebenszeitprävalenz (Anteil der Menschen, die im Laufe ihres Lebens betroffen sind) von bis zu 15 Prozent aus.
Was diese Zahlen nicht zeigen: Viele Frauen schweigen. Entweder aus Scham oder weil sie glauben, es müsse so sein. Dabei verändert der Schmerz oft mehr als nur den Sex. Er verändert die Lust, das Körpergefühl und oft auch die Beziehung.
Unterschiedliche Schmerzen, unterschiedliche Ursachen
Nicht jeder Schmerz während des Geschlechtsverkehrs ist dabei gleich. Und genau das entscheidet über die Behandlung. Ein Brennen am Scheideneingang kann etwa auf Infektionen wie Herpes hinweisen. Häufig stecken aber chronische Erkrankungen dahinter, wie etwa Lichen sclerosus. Dabei handelt es sich um eine chronische Hauterkrankung im Intimbereich, bei der die Haut dünn, empfindlich und leicht verletzlich wird. Ebenfalls eine Ursache kann das Vestibulitis-Vulvae-Syndrom sein, bei dem der Bereich am Scheideneingang überempfindlich ist und schon leichte Berührungen oder Druck starke Schmerzen auslösen.
Tief sitzende Schmerzen fühlen sich wiederum anders an. Dumpf, drückend, manchmal wie ein Ziehen im Unterbauch. «Diese können bei Endometriose, Zysten oder Entzündungen auftreten», erklärt Prof. Dr. Martin Heubner. Doch es kommt auf die exakte Einordnung an. Oder wie es der Chefarzt formuliert: «Wir müssen wissen, wo der Schmerz entsteht, bevor wir gezielt behandeln können.»

«Wir müssen wissen, wo der Schmerz entsteht, bevor wir gezielt behandeln können.»
Chefarzt Gynäkologie
Nicht aushalten, sondern handeln
Viele betroffene Frauen versuchen, den Schmerz zu umgehen. Sie passen sich an, vermeiden Sex oder nehmen ihn in Kauf. Das Problem: Die Ursache bleibt bestehen. «Chronische Beschwerden sollten immer abgeklärt werden», sagt Martin Heubner. Zunächst in der gynäkologischen Praxis, bei Bedarf in spezialisierten Sprechstunden wie am Kantonsspital Baden.
Für Patientinnen bedeutet das: Sie werden ernst genommen, sie erhalten eine klare Diagnose und bleiben nicht länger mit ihrem Leiden im Ungewissen.
Die Behandlung am KSB: Mehrere Ansätze gleichzeitig
Am KSB wird Dyspareunie nicht isoliert betrachtet. Die Behandlung setzt bewusst an mehreren Punkten gleichzeitig an. «Wir verfolgen ein multimodales Konzept», sagt Prof. Dr. Heubner.
Konkret bedeutet das:
- lokale Therapie bei Entzündungen oder Hauterkrankungen
- Beckenbodenphysiotherapie zur Entspannung der Muskulatur
- psychologische Begleitung zur Entlastung
- Beratung im Alltag, zum Beispiel zur Intimhygiene
Für Patientinnen wird daraus ein klarer Behandlungspfad: Sie verstehen, was im eigenen Körper passiert, und können aktiv daran arbeiten.
Schmerz schon bei leichter Berührung
Es gibt auch Erkrankungen, bei denen Frauen noch stärker leiden. Beim Vestibulitis-Vulvae-Syndrom etwa kann bereits eine leichte Berührung Schmerzen auslösen. Ein Tampon, enge Kleidung oder Sex werden zur Belastung. Hier zeigt sich besonders, wie wichtig der kombinierte Ansatz ist. Salben allein reichen oft nicht.
«Erst das Zusammenspiel verschiedener Therapien bringt eine Verbesserung», sagt Heubner. Auch Operationen sind möglich, aber zum Glück nicht immer nötig. Sie kommen erst infrage, wenn andere Massnahmen ausgeschöpft sind.
Der Körper macht dicht
Beim Vaginismus reagiert der Körper, bevor die Frau bewusst eingreifen kann. Die Muskulatur verkrampft sich. Penetration wird unmöglich oder äusserst schmerzhaft. Viele Patientinnen empfinden das als Kontrollverlust. Am KSB setzt hier die Behandlung gezielt an:
- Physiotherapie zur Lösung der Spannung
- Training mit Dilatoren (Stäbe zur sanften Dehnung der Scheide)
- Sexualtherapie, oft gemeinsam mit dem Partner
«Die Therapie verlangt Zeit und Vertrauen», beschreibt Martin Heubner. Botox kann auch im Einzelfall eingesetzt werden, ist jedoch kein Standard. «Wichtiger ist jedoch, die Ursache zu verstehen.»
Was konkret hilft
Neben der medizinischen Behandlung gibt es Schritte, die Patientinnen selbst gehen können:
- Schmerzen ernst nehmen
- frühzeitig abklären lassen
- offen mit dem Partner sprechen
- Druck aus der Sexualität nehmen
- Geduld mit sich selbst haben
Der wichtigste Punkt ist aber, dass Frauen nicht allein mit dem Problem bleiben.
Mehr als ein körperliches Thema
Die Schmerzen beim Sex bringen aber noch mehr mit. Schliesslich wirken sie sich fast immer auf das Selbstbild aus. Viele Frauen fühlen sich unsicher oder unter Druck. Auch Partnerschaften geraten ins Ungleichgewicht. «Der Leidensdruck ist hoch», erklärt Martin Heubner. Deshalb gehört am KSB die psychologische Mitbetreuung oft dazu.
Es geht nicht nur darum, den Schmerz zu behandeln, sondern auch darum, Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen. Denn Dyspareunie ist behandelbar. Das ist nicht immer einfach und braucht Zeit und Geduld. Aber Schritt für Schritt kann sehr häufig eine Besserung erzielt werden. Auch deshalb steht am KSB nicht nur die Diagnose im Zentrum, sondern die Frau als Ganzes. Den entscheidenden Schritt müssen aber die Betroffenen machen. Prof. Dr. Heubner betont: «Entscheidend ist, dass betroffene Frauen den Schritt machen und sich Hilfe holen. Vor allem, wenn die Beschwerden bleiben.»
Mehr als ein körperliches Thema
Die Schmerzen beim Sex bringen aber noch mehr mit. Schliesslich wirken sie sich fast immer auf das Selbstbild aus. Viele Frauen fühlen sich unsicher oder unter Druck. Auch Partnerschaften geraten ins Ungleichgewicht. «Der Leidensdruck ist hoch», erklärt Martin Heubner. Deshalb gehört am KSB die psychologische Mitbetreuung oft dazu.
Es geht nicht nur darum, den Schmerz zu behandeln, sondern auch darum, Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen. Denn Dyspareunie ist behandelbar. Das ist nicht immer einfach und braucht Zeit und Geduld. Aber Schritt für Schritt kann sehr häufig eine Besserung erzielt werden. Auch deshalb steht am KSB nicht nur die Diagnose im Zentrum, sondern die Frau als Ganzes. Den entscheidenden Schritt müssen aber die Betroffenen machen. Prof. Dr. Heubner betont: «Entscheidend ist, dass betroffene Frauen den Schritt machen und sich Hilfe holen. Vor allem, wenn die Beschwerden bleiben.»
Text: Simon David • Geprüft von: Prof. Dr. Martin Heubner Chefarzt Gynäkologie


