Zurück zur Startseite
Zurück zur Startseite

Wechseljahre: Hitzewallungen sind mehr als nur Stress

20. April 2026

Schlaflose Nächte, emotionale Turbulenzen und das Gefühl, sich nicht mehr wiederzuerkennen: Viele Frauen erleben diese Veränderungen, ohne sie den Wechseljahren zuzuordnen. Auch Linda Fiesler aus Mellingen ging es so. Was zunächst wie eine Folge von Stress wirkte, entpuppte sich in der gynäkologischen Endokrinologie-Sprechstunde des KSB als hormonelle Umstellung – mit spürbaren Auswirkungen auf ihren Körper und ihren Alltag.

Während der Coronapandemie war Linda Fiesler* stark gefordert: beruflich als Betriebswirtin, privat als Mutter, mental durch eine anhaltend belastende Situation. Schlafstörungen, Reizbarkeit und innere Unruhe schienen deshalb für sie eine logische Folge dieser anspruchsvollen Zeit zu sein.

Der Körper gerät aus dem Gleichgewicht

Doch mit der Zeit veränderten sich die Symptome. «Erst als ich starke nächtliche Wallungen hatte und mich teilweise mehrmals umkleiden musste, wurde mir klar, dass es vielleicht nicht nur Stress ist, sondern eine hormonelle Ursache haben könnte», erzählt Linda Fiesler. Zusätzlich kamen bei der damals 43-Jährigen Haarausfall, Gewichtszunahme und zunehmende Erschöpfung hinzu. 

Wechseljahre

Individuelle Abklärung bei der Menopausensprechstunde am KSB

Auf der Suche nach Antworten wandte sich Linda Fiesler an die Frauenklinik des KSB. Dort wurde ihr ein Termin bei Dr. Martina Nordin in der Menopausensprechstunde, einem spezialisierten Angebot für Frauen mit hormonellen Beschwerden, empfohlen. 

Im Zentrum steht eine umfassende und persönliche Betreuung: Jede Frau und ihre Beschwerden werden individuell betrachtet. Zuerst wird eine ausführliche Anamnese erhoben und in den meisten Fällen eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Darüber hinaus kann eine gezielte Blutanalyse folgen. «Mir ist es wichtig, dass sich die Patientinnen verstanden fühlen. Manche fühlen sich nicht mehr zu Hause in ihrem Körper, erkennen sich nicht mehr wieder und einige sind richtiggehend verzweifelt in dieser neuen Lebenssituation. Hier braucht es eine gute Diagnostik und eine individuelle Therapie», erklärt Dr. Martina Nordin, Belegärztin für Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie am KSB. 

Zusammen mit Dr. Andrea Dobosi und Dr. Natascha Spiridonovic betreut sie die Hormonsprechstunde am KSB. Alle drei Ärztinnen haben sich der endokrinologischen Beratung und Therapie der Frau verschrieben und arbeiten auch am Kinderwunschzentrum Baden. 

Diagnose Perimenopause: Der erste Schritt zur Klarheit

Die Untersuchungen bei Linda Fiesler bestätigten, dass sie sich in der späten Perimenopause befand – einer Phase, in der hormonelle Schwankungen besonders stark sind. Zudem wurde eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse festgestellt. Für die Patientin aus Mellingen war diese Diagnose ein Wendepunkt: «Ich war froh zu wissen, woher die Veränderungen kommen.» Denn durch dieses Verständnis konnte sie die Situation besser einordnen und über therapeutische Möglichkeiten nachdenken.

Therapie in den Wechseljahren: Pflanzlich oder hormonell?

Im zweiten Untersuchungstermin in der gynäkologischen Endokrinologie-Sprechstunde wurden alle Befunde genau besprochen und erklärt. Auch die möglichen Therapien mit ihren Vor- und Nachteilen wurden detailliert erläutert. Die Therapieentscheidung traf Linda Fiesler dann gemeinsam mit dem Ärzteteam – ein zentraler Bestandteil der patientenorientierten Behandlung. «Je nach Wunsch und Situation kann zuerst ein Versuch mit einer rein pflanzlichen Therapie oder auch direkt eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein. Ich vereinbare mit den Patientinnen in der Regel eine Kontrolle nach drei Monaten, um den Erfolg zu besprechen», sagt Martina Nordin. 

Zunächst entschied sich ihre Patientin für eine pflanzliche Therapie: «Ein Versuch konnte nicht schaden. Und wenn es nicht hilft, dachte ich, kann ich auf die Hormonersatztherapie wechseln», erinnert sich Linda Fiesler. So wurde zunächst eine Kombination aus pflanzlicher Behandlung, Lebensstilanpassungen und Schilddrüsenhormontherapie gestartet. 

Martina Nordin Portrait

«Für eine gute Menopausenberatung braucht es Zeit, Wissen und Einfühlungsvermögen.»

Martina Nordin

Ärztliche Leiterin der Menopausensprechstunde sowie Belegärztin für Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie am KSB

Die individuelle Hormontherapie im KSB

Nach drei Monaten zeigte sich jedoch, dass die Symptome eher zugenommen hatten. Die Hitzewallungen traten nun auch tagsüber auf, die Menstruation blieb aus. Gemeinsam mit Dr. Martina Nordin entschied sich die Patientin deshalb für eine individuell abgestimmte Hormonersatztherapie: «Aufgrund des relativ jungen Alters der Patientin haben wir uns dazu entschieden, die Hormontherapie zyklisch zu geben. So wird ein normaler Zyklus nachgestellt und die Therapie fügt sich am besten in den eventuell noch gering vorhandenen eigenen Zyklus ein.»

Bei Linda Fiesler schlug die Therapie sehr schnell an. «Ich fühlte mich nach kurzer Zeit viel besser», berichtet sie. «Die Wallungen waren weg, meine Stimmung gut, ebenso mein Schlaf, sogar die Gelenkschmerzen verschwanden.»

Dieser Ansatz zeigt, wie differenziert die moderne Behandlung von Wechseljahren erfolgen kann.

Ganzheitliche Betreuung im KSB: Wechseljahre verstehen und behandeln

Die Menopausensprechstunde am KSB steht dabei für eine moderne, evidenzbasierte und patientenzentrierte Medizin. Frauen werden nicht nur behandelt, sondern aktiv in Entscheidungen einbezogen.

Das Angebot umfasst:

  • individuelle hormonelle Abklärung
  • persönliche Therapieplanung
  • interdisziplinäre Zusammenarbeit
  • Begleitung in allen Lebensphasen

Für Patientinnen wie Linda Fiesler bedeutet das vor allem eines: In einer von vielen Aufgaben geprägten Lebensphase wieder Freude, Energie und Belastbarkeit zu spüren.

Wechseljahre sind behandelbar – sprechen Sie darüber

Denn was viele Frauen als Stress oder persönliche Schwäche interpretieren, kann an den typischen hormonellen Veränderungen in der Perimenopause liegen. Die Geschichte von Linda Fiesler zeigt, wie wichtig es ist, Symptome ernst zu nehmen und professionelle Unterstützung zu suchen. Die Wechseljahre müssen nicht einfach ausgehalten werden. Im Gegenteil: Sie können individuell behandelt werden. 

Und manchmal beginnt der Weg zurück zu mehr Lebensqualität mit einer einfachen Erkenntnis: Es gibt Hilfe. Oder wie es Linda Fiesler formuliert: «Ich würde jeder Frau eine Beratung in dieser Lebensphase empfehlen. Vielleicht braucht nicht jede eine Hormontherapie, aber jede Frau sollte wissen, was mit ihr los ist und was es für Möglichkeiten gibt.»

* Name von der Redaktion geändert

Vor- und Nachteile der Hormontherapie

  • Verbesserte Lebensqualität
  • Besserer Schlaf, weniger Wallungen
  • Knochengesundheit (Schutz vor Osteoporose)
  • Weniger Gelenkschmerzen
  • Günstiger Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko
  • Geringeres Risiko für vaskuläre Demenz
  • Psychische Stabilität
  • Protektiver Effekt auf kognitive Funktionen
  • Bessere Libido
  • Verminderung vaginaler Trockenheit
  • Geringeres Risiko für Diabetes
  • Geringeres Risiko für Darmkrebs 

  • Minimal erhöhtes Brustkrebsrisiko (nach ca. 5 Jahren kombinierter Therapie)
  • Erhöhtes Thromboserisiko bei oraler Therapie (nicht bei transdermaler Gabe)
  • Altersabhängig erhöhtes Schlaganfallrisiko 
  • Minimal erhöhtes Risiko für Ovarial- und Endometriumskarzinom

Gynäkologische Endokrinologie-Sprechstunde am KSB

In der gynäkologischen Endokrinologie-Sprechstunde am KSB werden Frauen in allen Lebensphasen betreut – von der Pubertät bis ins höhere Alter. Im Zentrum stehen hormonelle Fragestellungen und Beschwerden, die individuell abgeklärt und behandelt werden.

Gemeinsam mit den Patientinnen wird ein passendes Therapiekonzept erarbeitet. Dank der engen interdisziplinären Zusammenarbeit mit weiteren Fachbereichen gewährleistet das KSB eine umfassende und ganzheitliche Betreuung.

E-Mail: fkl.anmeldung@ksb.ch
Telefon: +41 56 486 35 50


Text: Simon David – Geprüft von: Dr. med. Martina Nordin, Belegärztin für Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie, und Dr. med. Andrea Dobosi, Oberärztin Gynäkologie