Da ist er, dieser eine Befund auf dem Mammografie-Bild. Vielleicht sind es winzige Kalkablagerungen. Vielleicht eine kleine Veränderung, die im MRI entdeckt wurde. Für die betroffene Frau beginnt damit die bange Frage: Was steckt dahinter?
Für eine verlässliche Antwort braucht es in bestimmten Fällen eine Gewebeprobe. Genau hier kommt die Vakuumbiopsie der Brust ins Spiel.
Was ist eine Vakuumbiopsie?
Der Name klingt komplizierter, als der Eingriff ist. Über einen kleinen Hautschnitt wird eine spezielle Biopsienadel bis zur auffälligen Stelle in der Brust geführt. Mithilfe eines Vakuums können über denselben Zugang mehrere Gewebeproben entnommen werden.
Der Vorteil: Es lässt sich vergleichsweise viel Gewebe gewinnen und genau untersuchen. In vielen Fällen kann so eine Operation allein zur Diagnosesicherung vermieden werden.
«Für die Patientinnen ist entscheidend, dass wir einen auffälligen Befund möglichst präzise abklären und dabei so schonend wie möglich vorgehen», sagt Prof. Dr. Rahel Kubik, Chefärztin Radiologie und Direktorin Departement Medizinische Dienste am KSB. «Genau das ermöglicht uns die Vakuumbiopsie.»

Wann kommt die Vakuumbiopsie zum Einsatz?
Besonders wichtig ist die Methode bei sogenanntem Mikrokalk. Dabei handelt es sich um winzige Kalkablagerungen, die in der Mammografie sichtbar werden können. Auch andere Veränderungen, die in der Mammografie oder im MRI auffallen, lassen sich gezielt untersuchen.
Welche Bildgebung zum Einsatz kommt, hängt von der jeweiligen Veränderung und ihrer Lage ab. Am KSB werden Vakuumbiopsien unter Mammografie-, MRI- oder Ultraschallkontrolle durchgeführt.
Bei ausgewählten kleinen Veränderungen kann die Methode sogar noch mehr: Wurde durch eine vorherige Stanzbiopsie bereits eindeutig festgestellt, dass eine Veränderung gutartig ist, lässt sie sich unter Umständen vakuumassistiert vollständig entfernen.
«Wir können mit der Vakuumbiopsie nicht nur sehr gezielt Gewebe gewinnen», erklärt Dr. Monika Farkas, Leitende Ärztin in der Radiologie am KSB. «Bei bestimmten gutartigen Veränderungen besteht sogar die Möglichkeit, den Befund auf diese Weise vollständig zu entfernen.»
Vakuumbiopsie oder Stanzbiopsie – wo liegt der Unterschied?
Bei der Stanzbiopsie werden einzelne Gewebezylinder aus der auffälligen Veränderung entnommen. Die Vakuumbiopsie ermöglicht über denselben Zugang mehrere und grössere Proben. Das kann insbesondere bei kleinen Veränderungen oder Mikrokalk hilfreich sein. Welche Methode geeignet ist, hängt vom Befund und seiner Lage ab.
Tut eine Vakuumbiopsie weh?
Der Eingriff ist meist viel weniger unangenehm als befürchtet. Die Vakuumbiopsie wird ambulant und unter örtlicher Betäubung vorgenommen. Während der Gewebeentnahme spüren die meisten Patientinnen höchstens einen leichten Druck oder Zug. Der Eingriff dauert – abhängig vom Befund und der verwendeten Bildgebung – etwa 20 bis 60 Minuten.
Dass neben der medizinischen Präzision auch das persönliche Erleben der Patientinnen eine grosse Rolle spielt, betont Rahel Kubik: «Viele Frauen sind vor einer Biopsie verständlicherweise angespannt. Umso wichtiger ist es uns, jeden Schritt genau zu erklären und den Eingriff nicht nur medizinisch sicher, sondern auch menschlich so angenehm wie möglich zu gestalten.»
Nach der Gewebeentnahme wird meist ein kleiner metallischer Marker gesetzt, damit die Stelle bei späteren Kontrollen oder einer allfälligen Operation exakt wiedergefunden werden kann.
Kleine Wunde statt Operation
Die Vakuumbiopsie ist minimalinvasiv, benötigt keine Vollnarkose und hinterlässt keine oder lediglich eine ganz kleine Narbe. Gleichzeitig kann mehr Gewebe als bei einer herkömmlichen Stanzbiopsie gewonnen werden.
Vorübergehend können nach dem Eingriff Blutergüsse, Schmerzen oder Schwellungen auftreten. Infektionen, Nachblutungen und andere Komplikationen sind äusserst selten.
Wann liegt das Ergebnis vor?
Die Proben werden in der Pathologie feingeweblich untersucht. Das Ergebnis liegt üblicherweise innerhalb weniger Tage vor. Anschliessend bespricht die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt den Befund und die nächsten Schritte mit der Patientin.
In den ersten drei Tagen nach der Untersuchung sollten Sport, schweres Heben und starke körperliche Belastungen vermieden werden.
Brustdiagnostik am KSB: alles aus einer Hand
Am KSB steht das gesamte Spektrum der Vakuumbiopsie der Brust zur Verfügung. Je nach Befund erfolgt die Gewebeentnahme unter Ultraschall-, Mammografie- oder MRI-Kontrolle. Radiologie, Brustzentrum und Pathologie arbeiten dabei eng zusammen.
Für Monika Farkas ist genau dieses Zusammenspiel entscheidend: «Brustdiagnostik bedeutet mehr als ein einzelnes Bild oder eine einzelne Untersuchung. Entscheidend ist das Zusammenspiel der verschiedenen Fachdisziplinen – damit jede Patientin rasch Klarheit und die für sie passende Behandlung erhält.»
Denn hinter jeder Aufnahme steht eine Frau, die vor allem eines möchte: Gewissheit. Und manchmal reicht dafür ein kleiner Zugang.

Radiologie am KSB
Die Radiologie am KSB, als Teil des zertifizierten interdisziplinären Brustzentrums, setzt modernste Bildgebungsverfahren wie Mammographie, Tomosynthese, Ultraschall und MRI ein und bietet das gesamte Spektrum der minimalinvasiven Brustinterventionen.
Interdisziplinäres, zertifiziertes Brustzentrum
Am KSB arbeiten verschiedene Fachdisziplinen eng zusammen – von der Diagnostik über die Therapie bis hin zur Nachsorge. Die Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) und nach ISO 9001 steht für hohe fachliche Standards, standardisierte Abläufe und eine interdisziplinäre Abklärung und Behandlung von Brusterkrankungen.
Mehr Informationen finden Sie unter: Radiologie
Text: Simon David • Geprüft von: Prof. Dr. Rahel Kubik, Chefärztin Radiologie


