Ein kleiner Druck auf eine Pumpe im Hodensack genügt. Flüssigkeit fliesst aus einem Reservoir im Unterbauch in zwei Zylinder im Penis. Eine Erektion entsteht. Medikamente oder Spritzen braucht es dafür nicht. Von aussen ist nichts zu sehen.
Was nach Hightech klingt, ist eine seit Jahren etablierte Behandlung bei schwerer erektiler Dysfunktion. Am KSB hat Prof. Lukas Hefermehl, Chefarzt Urologie, erstmals ein Schwellkörperimplantat eingesetzt. Inzwischen wurden weitere Patienten erfolgreich behandelt.
Wenn Medikamente an ihre Grenzen stossen
In den meisten Fällen lässt sich eine erektile Dysfunktion mit Medikamenten wie Viagra oder vergleichbaren Wirkstoffen behandeln. Bleibt die gewünschte Wirkung aus, kommen weitere Möglichkeiten infrage. Dazu zählen sogenannte Autoinjektionen, bei denen sich Patienten ein Medikament direkt in den Schwellkörper verabreichen.
Doch auch diese Behandlung wirkt nicht bei jedem oder wird als unangenehm empfunden.
«Wenn Viagra und Co. nicht funktionieren und auch die Injektionstherapie nicht hilft oder als unangenehm empfunden wird, sind die medikamentösen Möglichkeiten begrenzt», sagt Prof. Lukas Hefermehl. «Ein Implantat ist in diesen Fällen eine ausgezeichnete Option und führt auch bei schwerster erektiler Dysfunktion wieder zu einer guten Erektion.»
Nur ein kleiner Teil der Betroffenen benötigt letztlich eine Operation.
Darum war der Einsatz von Schwellkörperimplantate bislang selten
Neu ist die Behandlung nicht. Schwellkörperimplantate werden weltweit seit vielen Jahren eingesetzt und gelten als etablierte Therapie bei schwerer erektiler Dysfunktion. In der Schweiz kamen sie bisher trotzdem vergleichsweise selten zum Einsatz.
Ein Grund dafür waren die Kosten.
«Hierzulande wurden diese Implantate bisher wenig eingesetzt, weil die Krankenkassen sie nicht bezahlt haben», sagt Lukas Hefermehl. «Mittlerweile werden die Kosten für die Schwellkörperimplantate jedoch übernommen. Das eröffnet vielen Patienten neue Möglichkeiten.»
Von dieser Entwicklung profitierte auch der erste Patient, der am KSB ein Schwellkörperimplantat erhielt. Mehrere Wochen nach dem Eingriff zog Lukas Hefermehl eine positive Bilanz. «Bisher sind keine Komplikationen aufgetreten, und dem Patienten geht es sehr gut», sagt der Chefarzt.
Mittlerweile hat das KSB bereits weitere Patienten erfolgreich mit einem Implantat versorgt.

«Sexualität und Erektionsstörungen sind nach wie vor mit viel Scham behaftet.»
Prof. Lukas Hefermehl
Chefarzt Urologie
So funktioniert das Implantat
Das System ist vollständig im Körper verborgen. Zwei Zylinder werden in die Schwellkörper des Penis eingesetzt. Im Unterbauch befindet sich ein mit Wasser gefülltes Reservoir, im Hodensack eine kleine Pumpe.
Drückt der Patient auf die Pumpe, fliesst die Flüssigkeit aus dem Reservoir in die beiden Zylinder. Dadurch entsteht eine Erektion. Nach dem Geschlechtsverkehr lässt sich die Flüssigkeit wieder zurück in das Reservoir leiten. «Es ist ein geschlossener Kreislauf», erklärt Lukas Hefermehl. «Man sieht von aussen nichts.»
Die Erektion bleibt so lange bestehen, wie der Patient es wünscht. Medikamente, Spritzen oder eine zeitliche Planung sind nicht nötig.
Für wen kommt ein Schwellkörperimplantat infrage?
Ein Implantat kommt vor allem dann infrage, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Das kann beispielsweise bei Männern der Fall sein, deren Erektionsfähigkeit nach einer Operation oder Bestrahlung beeinträchtigt wurde, etwa im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung.
Auch Durchblutungsstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen einer erektilen Dysfunktion. Vor einer Behandlung werden die Ursachen deshalb umfassend medizinisch abgeklärt.
Bleibt ein Orgasmus möglich? Selbstverständlich. Das Implantat beeinflusst die Fähigkeit zum Orgasmus nicht. «Viele Menschen wissen nicht, dass die Orgasmusfähigkeit unabhängig von der Erektionsfähigkeit ist», erklärt Lukas Hefermehl.
Auch auf eine langfristige Nutzung sind die Implantate ausgelegt. Bei komplikationslosem Verlauf können sie viele Jahre, häufig sogar lebenslang, funktionieren.
Ein Tabuthema – warum viele Männer schweigen
Eine Erektionsstörung betrifft nicht nur die Sexualität. Sie kann das Selbstwertgefühl belasten und Auswirkungen auf die Partnerschaft haben. Trotzdem sprechen viele Männer nicht darüber.
Genau das möchte Lukas Hefermehl ändern. «Sexualität und Erektionsstörungen sind nach wie vor mit viel Scham behaftet», sagt er. «Ich wünsche mir, dass mehr Patienten, Hausärztinnen und Hausärzte sowie Zuweisende wissen, dass es diese Behandlungsmöglichkeit gibt – gerade dann, wenn andere Therapien ausgeschöpft sind.»
Denn auch wenn Viagra und andere Therapien versagen, sind die Behandlungsmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft.
Text: Simon David • Geprüft von: Prof. Lukas Hefermehl, Chefarzt Urologie


