Harnsteine

Bei der Nierensteinkrankheit (Nephrolithiasis) bilden sich aus unterschiedlichen Gründen Ablagerungen in der Niere, im Nierenbecken oder in den ableitenden Harnwegen (Harnleiter, Blase). Die Grösse dieser Steine ist unterschiedlich. Sie können klein wie ein Reiskorn sein oder wie der Ausguss- oder Korallenstein das gesamte Nierenbecken ausfüllen.

Harnsteine sind kristalline Ausfällungen. Vereinfacht dargestellt entstehen sie, wenn im Urin zu wenig Flüssigkeit oder eine zu hohe Konzentration bestimmter harnpflichtiger Substanzen auftritt. Der Urin wird übersättigt. In diesem Milieu können sich Kristalle formieren, die weiter zu Steinen anwachsen können. Erreichen die Steine eine Grösse von einigen Millimetern, gehen sie nicht mehr passiv und unbemerkt mit dem Urin ab. In der Folge treten Schmerzen, Urinblockaden und manchmal auch Infektionen auf.

Etwa 80 % der Steine gehen unbemerkt oder mit wenig Beschwerden spontan ab. Sie brauchen dafür Stunden und Tage, manchmal Wochen.

Die übrigen ca. 20 % der Steine gehen nicht von alleine ab und verursachen heftige Schmerzen, Stauungen zusätzlich manchmal Infektionen. Für diese symptomatischen Steine braucht es ambulante oder ans Spital gebundene ärztliche Hilfe.

Bei der Behandlung von symptomatischen Harnsteinen spielen Zeit, Schmerzen und Infektionen eine wichtige Rolle. Diese drei Faktoren sind verknüpft.

Die Zeit ist in zweifacher Hinsicht wichtig. Bei Schmerzen möchten wir in möglichst kurzer Zeit rasch helfen. Dazu werden Schmerzmittel in steigender Dosis und Stärke bis zum Erreichen der Schmerzfreiheit verabreicht. Bei ungenügendem Ansprechen müssen zusätzlich harnableitende Massnahmen ergriffen werden, die den Harnaufstau beheben. Sobald sich die Schmerzen beruhigt haben, stabilisiert sich die klinische Situation. Aus der akuten Situation mit wenig Zeit ist eine stabile entstanden, die uns viel Zeit über Tage oder Wochen gibt, die eigentliche Behandlung des Steins zu planen und sie auszuführen.

Liegt zusätzlich eine Infektion vor, so bestimmt sie zwingend das Vorgehen. Infektionen des Harntrakts bei denen ein Stein eine Stauung verursacht, sind dringende Notfälle. Es ist umgehend dafür zu sorgen, dass der Harnaufstau behoben wird und eine geeignete Behandlung mit Antibiotika beginnt.

Folglich beziehen sich die Erklärungen hauptsächlich auf symptomatische Steine in akuter Phase, sowie auf Massnahmen zur Entfernung von Steinen aus dem Harntrakt.

Typischerweise lösen Steine auf dem Weg von der Niere in die Blase plötzlich auftretende heftige, minutenlang an- und abschwellende Schmerzen (Kolik) aus. Manchmal sind sie mit Blut im Urin, Reizgefühl in der Blase, Druck auf der Niere und Harndrang kombiniert. Steine verursachen nur dann Beschwerden, wenn sie sich im Harntrakt „auf den Weg“ machen.

Sind sie jedoch „ruhend an einem Ort“, wo der Urin vorbeifliessen kann, verursachen sie keine oder unspezifische Beschwerden und können im Rahmen einer Abklärung von anderen medizinischen Fragestellungen zufällig entdeckt werden. Wie mit zufällig festgestellten Steinen weiter vorgegangen werden soll, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sie müssen nicht zwingend behandelt werden.

Grosser Nierenstein, der den Nierenraum vollständig ausgekleidet hat.

Harnleiterstein

Blasenstein

Erklärung mit Modell

Die Niere besteht aus einem harnaufbereitenden (dunkelrot) und einem harnableitenden (gelb) Teil. Steine entstehen und liegen ausschliesslich im harnableitenden Teil. Der harnableitende Teil setzt sich aus Kelchen und Nierenbecken zusammen. In koordinierten Bewegungen sorgen sie dafür, dass der Urin in den Harnleiter überführt wird. Der Harnleiter transportiert den Urin mit peristaltischen, wurmartigen Bewegungen (siehe Video einer URS), weiter in die Blase. Kleine Kristalle werden im Urin mittransportiert, ohne dass sie je Beschwerden verursachen. Erst Zusammenballungen von einigen Millimetern Grösse bilden Transporthindernisse. Der Harnleiter (durchsichtiges Kunststoffrohr) ist ein bewegliches Organ. Sein Durchmesser beträgt 4 bis 6 Millimeter, kann aber stark variieren. Er weist in seinem Verlauf drei Engstellen auf. Diese sind in Harnflussrichtung betrachtet sein Eingang (2 im Modell) bei der Niere, die Kreuzung über die grossen Blutgefässe (3 im Modell) im Bauch sowie sein Durchzug durch die Harnblasenwand bzw. sein Ausgang (4 im Modell) in die Harnblase. Im Zusammenhang mit Steinen sind die Engstellen bedeutsam, weil sie die Passage der Steine erschweren.

Die Harnleitermündung in die Blase ist als „Rückschlagventil“ konstruiert. Diese Konstruktion verhindert, dass Urin bei der Blasenentleerung während dem Wasserlassen zurück in den Harnleiter hochsteigt.

Die Harnblase sammelt Urinmengen von durchschnittlich 3 bis 5 Dezilitern. Zur Entleerung entwickelt sie einen relativ hohen Druck. Steine, die bis in die Blase gelangt sind, befördert sie in der Regel schmerzfrei und unbemerkt durch die Harnröhre nach aussen.

Die Harnröhre hat keinen aktiven Transportmechanismus. Der Urin läuft passiv mit Hilfe des von der Blase aufgebauten Drucks hindurch.

Informationen zur Diagnose und Therapie von Nieren- und Harnsteinen finden Sie bei unseren Leistungsangeboten.

Prophylaxe

Die allgemeine Steinvorbeugung ist eine therapeutische Empfehlung für jeden Steinpatienten, unabhängig von der Steinart. Das Ziel ist, die steinbildenden Substanzen im Urin zu reduzieren und damit die Wahrscheinlichkeit der wiederholten Steinbildung zu senken.

Trinkmenge

Trinken Sie ausreichende Mengen (2.5 - 3 Liter pro Tag). Ideale Getränke sind Wasser, Mineralwasser (bicarbonatreich HCO3) (siehe Tabelle), Kräuter-/Nieren-/Blasentees, verdünnte Zitrus- und sonstige Fruchtsäfte. Trinken Sie regelmässig über 24 Stunden verteilt (auch vor dem Schlafen). Der Urin sollte hellgelb bis klar sein (nicht dunkel-konzentriert).

Ernährung

Je basischer, desto besser!

Base: Gemüse, Salat und Früchte können täglich mehrmals gegessen werden.

Säure: Fleischprotein/Eiweiss (alle Fleisch- und Wurstwaren, Aufschnitt, sämtliche Sorten Fisch, alles Geflügel, Wildgerichte) sollten höchstens 1x/Tag gegessen werden.

Keine Oxalat-Exzesse

Vermeiden Sie Oxalate. Diese sind enthalten in Schwarztee, Eistee, Grüntee, Pfefferminztee, Bier, Cola und koffeinhaltigem Kaffee, in Spinat, Randen, Rhabarber, Mangold, Erdnüssen, Mandeln und Pistazien, in auf Weizen basierten Cornflakes oder Getreideriegeln, in schwarzer Schokolade und im Kakao.

Falls Sie doch Oxalate zu sich nehmen, dann kombinieren Sie diese mit kalziumhaltigen Komponenten: z.B. Spinat mit Käse gratiniert oder Kaffee mit Milch.

Keine kalziumarme Diät

Achten Sie auf eine normale Kalziumzufuhr (1000-1200mg/Tag), da sonst die Gefahr einer Osteoporose droht.

  • kalziumhaltiges Mineralwasser (ca. 400mg/Liter)
  • bicarbonatreiches Mineralwasser

•Milchprodukte/Hartkäse (ca. 800mg/Tag)

•Achtung bei Kalzium-Supplementen (z.B. CalD3 Brausetabletten)

Allgemeine Massnahmen

Vermeiden Sie übermässige Flüssigkeitsverluste (Sauna, Sonnenbäder, Abführmittel)

Passen Sie die Flüssigkeitszufuhr Ihrer körperlichen Aktivität und der Umgebungstemperatur an.

Reduzieren Sie Übergewicht.

Achten Sie auf regelmässige Bewegung oder treiben Sie Sport (z.B. benutzen Sie statt dem Lift die Treppe).

Schweizkalziumarmkalziumreich (>300mg/l)Bicarbonatgehalt (HCO3)
Adelbodner 579284
Appenzell105 405
Aproz 360250
Arkina 300311
Cristalp115 306
Elmer Mineral114 240
Eptinger 510278
Henniez104 389
M-Budget (Saphir)95 235
Passugger211 771
Rhäzünser222 1139
Swiss Alpina (Coop)154 787
Valser 418360
Auslandkalziumarmkalziumreich (>300mg/l)Bicarbonatgehalt (HCO3)
Evian80 360
Perrier160 430
San Pellegrino181 239
Vittel91 258
Volvic12 71